Zweifacher Abschied

Andrea Borger und Peter Kocher verlassen Himmelfahrt.

Unabhängig und ohne Wissen voneinander haben sich Pfarrerin Andrea Borger und Pfarrer Peter Kocher auf andere Stellen beworben. Nun steht für Himmelfahrt ein doppelter Abschied an.
Für Andrea Borger wurde der Abschied am Sonntag, den 24. Juni gefeiert,
für Peter Kocher findet der Abschiedsgottesdienst und die anschließende Feier am Sonntag, den 22. Juli statt.
Das bedeutet, dass ab Juni alle in der „BRÜCKE“ veröffentlichten Termine mit Vorsicht zu genießen sind. Besonders bei den Gottesdiensten (auch den Taufgottesdiensten) bitten wir Sie, sich durch unsere homepage auf den neuesten Stand der Planungen zu bringen.

Und hier läuten beide schon mal ihren Abschied ein.

Liebe Gemeindemitglieder,

je älter ich werde desto mehr ertappe ich mich bei Sprüchen, die ich früher ganz furchtbar fand: „Ach bist du groß geworden!“ sage ich etwa zu Schulkindern, die ich als Täuflinge kennengelernt habe. Die lächeln vielleicht freundlich, aber ich kann mir vorstellen, was ihnen durch den Kopf geht. Doch es ist halt so: Die Zeit vergeht mir so schnell (noch so ein Spruch). Angesichts meines bevorstehenden Abschieds von der Himmelfahrtskirche wird mir das wieder bewusst.Fast zwölf Jahre arbeitete ich hier als Pfarrer auf einer halben Stelle. Wie viele Kinder ich getauft, wie viele Paare ich getraut und wie viele Verstorbene ich auf ihrem letzten Weg begleitet habe, habe ich nicht gezählt.

Diese Kasualien, wie wir Kirchenleute es nennen, haben für mich in meinem Beruf oberste Priorität und sie machen mir große Freude. Auch wenn sie oft in unserer urbanen Gemeinde punktuelle Begegnungen bleiben, sind es Gelegenheiten, bei denen Menschen an einem entscheidenden Punkt ihres Lebens einen wichtigen Kontakt mit Kirche und Glauben bekommen. Wenn für manche von Ihnen diese Begegnungen gelungen waren, bin ich sehr dankbar.

Pfarrer Peter Kocher

Ich habe die Himmelfahrtskirche als eine ungemein lebendige Gemeinde mit Ausstrahlungskraft erlebt, gerade auch durch das reiche musikalische Leben, und habe in Sendling, diesem sympathischen Stadtteil gern gearbeitet und einen wichtigen Teil meines Lebens verbracht. Ich bleibe Gemeinde und Viertel verbunden, schon allein, weil ich weiter mit einer viertel Stelle auch als Blindenseelsorger tätig bin. Ich werde den schönen Kirchenraum vermissen. Gern habe ich immer die „ganz normalen Gottesdienste“ gefeiert, die dann oft doch zu etwas Besonderem wurden. Überhaupt hatte ich das Glück, fast nur Arbeitsbereiche zu haben, die ich mochte: Besuchsdienst, Gemeindebrief und die Ökumene voran. Gerade als BRÜCKE-Pfarrer wurmt es mich ein wenig, dass Sie nun mit dieser Ausgabe einen Gottesdienstplan in Händen halten, der wegen der Personalwechsel nicht mehr aktuell ist – es kam halt alles erst nach Redaktionsschluss!

Mit 51 Lebensjahren war es Zeit für mich, eine neue Aufgabe zu suchen. Ich werde ab August mit einer halben Stelle in St. Markus München-Maxvorstadt arbeiten, mit Schwerpunkt im Bereich Senioren und Diakonie.
Es wurden nicht ganz zwölf Jahre hier an Himmelfahrt. Das passt auch gut, denn Zwölf ist die biblische Zahl der Vollkommenheit und vollkommen bin ich wirklich nicht. Muss ich auch nicht sein, so wie wir alle unvollkommen bleiben dürfen. Für alles andere sorgt Christus.

Auf Wiederschau’n, und behüt Sie und Euch der liebende Gott!
Peter Kocher

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Sendlinger Arbeitspartnerinnen,

das lachende Auge sehen Sie hier (vom weinenden spreche ich später):

Pfarrerin Andrea Borger

Und ich habe gut lachen, denn meine Zeit als Pfarrerin in Himmelfahrt, die nun zuende geht, ist eine gute Zeit gewesen. Ich habe im Oktober 2005 gerne die Verantwortung für die Leitungsstelle im Team und im Kirchenvorstand übernommen. Mit vielen Ideen und Tatkraft haben wir gemeinsam den Rahmen für unser Gemeindeleben weiterentwickelt. Es waren zum Teil stürmische Zeiten, vor allem am Anfang, mit viel Personalwechsel auf den Pfarrstellen, im Büro, beim Mesner und Hausmeister.

Sechs Jahre später haben dann die Probleme im Prodekanat meine Arbeit und unsere Zusammenarbeit in Himmelfahrt belastet. All das haben wir miteinander gut gemeistert, und ich bin sehr, sehr dankbar für die Kollegialität, das Wertebewusstsein und die Verlässlichkeit, die ich im Kirchenvorstand und darüber hinaus erlebt habe.

Besonders beschenkt, bewegt und erfüllt haben mich all die offenen und vertrauensvollen Gespräche, wenn wir einander begegnet sind bei Taufvorbereitungen, in Beerdigungsgesprächen, anlässlich einer Trauung, in den Konfi-Gruppen und den Konfi-Eltern-Treffen, in den Glaubenskursen und interreligiösen Gesprächsrunden, den ökumenischen Veranstaltungen, Kunstgottesdienst-Vorbereitungen, bei Konzerten und bei den kleinen Begegnungen zwischen Tür und Angel oder auf Sendlings Straßen.

Und wie gut war und ist es, miteinander Gottesdienst zu feiern mit viel schöner Musik!
Mit alldem bin ich von Herzen mit vielen, vielen guten Erinnerungen an Erlebtes und gemeinsam Gestaltetes in unserer Gemeinde und in Sendling verwurzelt, zusammen mit meiner Tochter Friederike, die seit Kurzem in Klagenfurt studiert, aber sich natürlich auch und besonders in Sendling zuhause fühlt. Sie hat an meiner Seite Himmelfahrt von ihrem achten bis zu ihrem zwanzigsten Lebensjahr durch die Brille eines Kindes und einer Jugendlichen erlebt und von hier aus ihre Münchner Welt erobert.

Beim Abschied habe ich und haben wir natürlich nicht nur ein lachendes, sondern auch ein weinendes Auge. Abschied tut weh, auch wenn er, wie in diesem Fall, freiwillig und gewollt und aus meiner Sicht „dran“ ist. Ohne Abschied kann nichts Neues werden. Was mir in diesem Übergang besonders wichtig wird und beim Loslassen hilft, ist die Freude an dem, was hier möglich gewesen ist. Das gelebte Leben kann uns niemand nehmen.
Ich freue mich auf Begegnungen in den nächsten Wochen, bedanke mich schon hier von ganzem Herzen bei allen, die mir Unterstützung, Toleranz und Gemeinschaft geschenkt haben und bitte diejenigen, denen ich etwas schuldig geblieben bin, um Verzeihung.
Ab 1.Juli werde ich eine halbe Gemeindestelle in der Christuskirche Gauting übernehmen. Mit der Wiederbesetzung der geschäftsführenden Pfarrstelle an Himmelfahrt ist wohl nicht vor Januar zu rechnen.

Gott segne unsere Himmelfahrtsgemeinde und alle Menschen unserer Stadt weiterhin nach dem Reichtum seiner Gnade.
Bleiben Sie behütet!
Ihre / Eure     
Andrea Borger