Täglich: Psalmverse und Bonhoeffer

Die Psalmen haben Dietrich Bonhoeffer viel bedeutet.
"Der Psalter ist die große Schule des Betens überhaupt. Je tiefer wir in die Psalmen wieder hinein wachsen, und je öfter wir selber gebetet haben, desto einfacher und reicher wird unser Gebet werden."
Quelle: Gemeinsames Leben/Das Gebetbuch der Bibel

Mittwoch, 8. Juli
Dein Wort ist meines Fußes Leuchte
und ein Licht auf meinem Wege.
Ich schwöre und will's halten:
Die Ordnungen deiner Gerechtigkeit will ich bewahren.
Ich bin sehr gedemütigt;
Herr, erquicke mich nach deinem Wort!
Mein Leben ist immer in Gefahr;
aber dein Gesetz vergesse ich nicht.
Frevler legen mir Schlingen;
ich aber irre nicht ab von deinen Befehlen.
Ich neige mein Herz,
zu tun deine Gebote immer und ewiglich.
Ich hasse die Wankelmütigen
und liebe dein Gesetz.
Du bist mein Schutz und mein Schild;
ich hoffe auf dein Wort.
Verse aus Psalm 119

"Es ist eine überraschende Beobachtung, dass gerade in den Psalmen, die über Bedrückung und Leiden der Gerechten klagen, das Lob der Freundlichkeit Gottes, der es den Seinen wohl ergehen lässt, besonders stark hervorbricht. Auch der Beter des Psalmes 119 ist in Elend und Anfechtung gewesen. Aber sollte nicht gerade der Fromme, der in Not geraten ist, besonderen Grund haben zu danken für alle bisherige Bewahrung und für jede Gabe, die ihm noch bis zur Stunde erhalten blieb."
Dietrich Bonhoeffer

Dienstag, 7. Juli
Singet dem Herrn ein neues Lied,
denn er tut Wunder.
Der Herr lässt sein Heil verkündigen;
vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.
Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,
aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Jauchzet dem Herrn, alle Welt,
singet, rühmet und lobet!
Das Meer brause und was darinnen ist,
der Erdkreis und die darauf wohnen.
Die Ströme sollen in die Hände klatschen,
und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn.
Verse aus Psalm 98

"Wir glauben ja an allerlei, wir glauben sogar an viel zu viel – wir glauben an die Macht, wir glauben an uns selbst, wir glauben an andere Menschen, wir glauben an die Menschheit. Wir glauben an unser Volk, wir glauben an unsere Religionsgemeinschaft – wir glauben an neue Ideen – aber wir glauben über dem allem an den Einen nicht – an Gott. Und dieser Glaube an Gott würde uns nämlich den Glauben an alle die anderen Mächte nehmen, unmöglich machen. Wer an Gott glaubt, der glaubt in dieser Welt an nichts anderes, denn er weiß, es zerbricht und vergeht, aber er braucht auch an nichts »anderes« zu glauben, denn er hat ja den, von dem alles kommt und in dessen Hände alles fällt."
Dietrich Bonhoeffer

Montag, 6. Juli
Gott, tröste uns wieder
und lass leuchten dein Antlitz, so ist uns geholfen.
Herr, Gott Zebaoth, wie lange willst du zürnen
beim Gebet deines Volkes?
Du speisest sie mit Tränenbrot
und tränkest sie mit einem großen Krug voll Tränen.
Du lässest unsre Nachbarn sich um uns streiten,
und unsre Feinde verspotten uns.
Gott Zebaoth, tröste uns wieder
und lass leuchten dein Antlitz, so ist uns geholfen.
Verse aus Psalm 80

"Tolstoi hat einmal gesagt, der Zar müsse verbieten, dass Beethoven von guten Menschen gespielt werden dürfe, er errege die Leidenschaften der Menschen zu tief und gefährde die Menschen. Luther hat andererseits oft gesagt, dass die Musik nächst dem Wort Gottes das Beste sei, was der Mensch habe. Sie haben beide etwas Verschiedenes im Auge, Tolstoi jene Musik zu Ehren des Menschen, Luther diese Musik zur Ehre Gottes. Und von ihr wusste Luther, dass sie unendlich viel Tränen getrocknet, betrübte fröhlich gemacht, Begierden gestillt, Niedergeschlagene aufgerichtet, Angefochtene gestärkt hat, dass sie auch manchen verstockten Herzen wieder die Tränen abgezwungen und manche großen Sünder zur Buße vor Gottes Güte getrieben hat."
Dietrich Bonhoeffer

Sonntag, 5. Juli
Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser,
so schreit meine Seele, Gott, zu dir.
Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott.
Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?
Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht,
weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?
Daran will ich denken
und ausschütten mein Herz bei mir selbst:
wie ich einherzog in großer Schar,
mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes mit Frohlocken und Danken
in der Schar derer, die da feiern.
Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er mir hilft mit seinem Angesicht.
Verse aus Psalm 42

"Wir alle kennen die Stunden unseres Lebens, in denen wir überdrüssig wurden an uns selbst, in denen wir uns selbst zum Ekel waren, in denen uns die ganze Jämmerlich- und Schwächlichkeit unserer Lebensführung vor Augen trat. … Und es ist der Segen solcher Stunden, dass in ihnen die Sehnsucht durchbricht nach dem Angesicht Gottes, nach dem Schauen Gottes. Wer diese Stunden nicht kennt, wer diese Sehnsucht nicht kennt, der wird nicht viel von dem verstehen, was Jesus uns heute zu sagen hat. Wie nun der einzelne Mensch, so erlebt die ganze Welt Stunden in denen sie schreit nach dem Angesicht Gottes aus der Gottlosigkeit und der Gottverlassenheit. Das ganze alte Judentum ist ein einziger solcher Schrei: wie komme ich dahin, dass ich Gottes Angesicht schaue."
Dietrich Bonhoeffer