Täglich: Psalmverse und Bonhoeffer

Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm hat in dieser besonderen Zeit Besinnung, Gebet und Psalmenmeditation empfohlen.

Am 9. April erinnern wir an den 75. Todestag von Dietrich Bonhoeffer. Die Psalmen haben ihm viel bedeutet.
"Der Psalter ist die große Schule des Betens überhaupt. Je tiefer wir in die Psalmen wieder hinein wachsen, und je öfter wir selber gebetet haben, desto einfacher und reicher wird unser Gebet werden."
Quelle: Gemeinsames Leben/Das Gebetbuch der Bibel

Darum für jeden Tag ein paar Psalmverse
und ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer.

Karfreitag, 10. April
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,
und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Unsere Väter hofften auf dich;
und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
Zu dir schrien sie und wurden errettet,
sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.
Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,
ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.
Alle, die mich sehen, verspotten mich,
sperren das Maul auf und schütteln den Kopf.
Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an,
du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.
Verse aus Psalm 22

"Herr Jesus Christus,
du warst arm und elend, gefangen und verlassen wie ich.
Du kennst alle Not der Menschen,
du bleibst bei mir, wenn kein Mensch mir beisteht
du vergisst mich nicht und suchst mich,
du willst, dass ich dich erkenne und mich zu dir kehre
Herr, ich höre deinen Ruf und folge.
Hilf mir!
Heiliger Geist,
gib mir den Glauben,
der mich vor Verzweiflung und Laster rettet
Gib mir die Liebe zu Gott und den Menschen,
die allen Hass und alle Bitterkeit vertilgt,
gib mir die Hoffnung,
die mich befreit von Furcht und Verzagtheit.
Lehre mich Jesus Christus erkennen und seinen Willen tun."
Dietrich Bonhoeffer
 
Gründonnerstag, 9. April
Halleluja! Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen
im Rate der Frommen und in der Gemeinde.
Groß sind die Werke des Herrn;
wer sie erforscht, der hat Freude daran.
Was er tut, das ist herrlich und prächtig,
und seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.
Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder,
der gnädige und barmherzige Herr.
Er gibt Speise denen, die ihn fürchten;
er gedenkt auf ewig an seinen Bund.
Verse aus Psalm 111

"Was ist der rechte Gebrauch des Abendmahls? Was dürfen wir vom Empfang des Sakraments erwarten? Welches ist die Gabe, die uns zuteil wird? Was hat Jesus mit der Einsetzung des Abendmahls verheißen und welches ist die rechte Predigt, die zum Abendmahl einlädt? Wir kommen ja nicht darum herum, dass es im Abendmahl nicht um ein unklares mystisches Erlebnis, sondern um das klare, leibgewordene Wort Gottes, um Zuspruch und Anspruch Jesus Christi geht. Jesus selbst hat den Jüngern nicht stumm Brot und Wein gereicht, sondern er hat sein Wort dazu gesprochen. Um das rechte Nachsprechen dieses Wortes Jesu (das doch wie alle Predigt nicht einfach Wiederholung und Deklamation des Bibelwortes sein kann!), darum also, dass das Sakrament Jesu eigenes Sprechen und Handeln bleibe für alle Zeiten, ist es der lutherischen Kirche gegangen, wenn sie die Abendmahlslehre mit so großem Nachdruck und Ernst getrieben hat. Es soll in der Kirche nichts gelten und geschehen als Jesu Wort und Tat."
Dietrich Bonhoeffer
 
Mittwoch, 8. April
Eile, Gott, mich zu erretten,
Herr, mir zu helfen!
Es sollen sich schämen und zuschanden werden,
die mir nach dem Leben trachten;
sie sollen zurückweichen und zum Spott werden, die mir mein Unglück gönnen.
Sie sollen umkehren um ihrer Schande willen,
die über mich schreien: Da, da!
Lass deiner sich freuen und fröhlich sein
alle, die nach dir fragen; und die dein Heil lieben, lass allewege sagen: Hochgelobt sei Gott!
Ich aber bin elend und arm; Gott, eile zu mir!
Du bist mein Helfer und Erretter; Herr, säume nicht!
Psalm 70

"Gott gibt uns die Gebote, damit wir bei ihm, für ihn und mit ihm sein und bleiben können. Er bekennt sich zu uns, indem er uns sein Gebot wissen lässt als Herr und als Helfer."
Dietrich Bonhoeffer
 
Dienstag, 7. April
Herr, ich traue auf dich,
lass mich nimmermehr zuschanden werden.
Errette mich durch deine Gerechtigkeit und hilf mir heraus,
neige deine Ohren zu mir und hilf mir!
Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann,
der du zugesagt hast, mir zu helfen;
denn du bist mein Fels und meine Burg.
Auch verlass mich nicht, Gott, im Alter,
wenn ich grau werde, bis ich deine Macht verkündige Kindeskindern
und deine Kraft allen, die noch kommen sollen.
Verse aus Psalm 71

"Seit langem haben wir uns daran gewöhnt, nicht mit langen Zeitabschnitten zu rechnen. Wir können und sollen es auch nicht. Gehorsam zu lernen an jedem neuen Tag ist uns genug."
Dietrich Bonhoeffer

Montag, 6. April
Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes
und dein Recht wie die große Tiefe.
Herr, du hilfst Menschen und Tieren.
Wie köstlich ist deine Güte, Gott,
dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!
Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,
und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.
Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,
und in deinem Lichte sehen wir das Licht.
Breite deine Güte über die, die dich kennen,
und deine Gerechtigkeit über die Frommen.
Verse aus Psalm 36

"Das Licht erweckt die Finsternis zum eigenen Sein, zum freien Lobpreis des Schöpfers. Ohne das Licht wären wir nicht – denn ohne das Licht gibt es kein Gegenüber, weil es keine Gestalt gibt. Ohne Gegenüber aber gibt es keine freie Anbetung Gottes. Die unterworfene Tiefe betete Gott an in unterworfener, dumpfer, unfreier Gegenüberlosigkeit, die Gestalt im Licht vernimmt das Gegenübersein als ihr eigenes Sein und dankt es ganz dem Schöpfer. Die vom Licht gespendete Durchsichtigkeit, Klarheit und Unbeschwertheit des eigenen Seins im Gegenübersein mit der anderen geschaffenen Gestalt und mit dem Schöpfer ist das Werk des ersten Wortes des Schöpfers. In seinem geschaffenen Licht sieht die Schöpfung sein Licht."
Dietrich Bonhoeffer

Sonntag, 5. April
Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm,
wo kein Grund ist; ich bin in tiefe Wasser geraten,
und die Flut will mich ersäufen.
Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser.
Meine Augen sind trübe geworden,
weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.
Ich aber bete, Herr, zu dir zur Zeit der Gnade;
Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.
Verse aus Psalm 69

"In die ersten Augenblicke des neuen Tages gehören nicht eigene Pläne und Sorgen, auch nicht der Übereifer der Arbeit, sondern Gottes befreiende Gnade, Gottes segnende Nähe."
Dietrich Bonhoeffer

Samstag, 4. April
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,
und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels
schläft noch schlummert nicht.
Der Herr behütet dich;
der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
dass dich des Tages die Sonne nicht steche
noch der Mond des Nachts.
Der Herr behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.
Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit!
Psalm 121

"Von Gott nicht mehr loskommen können, daß ist die dauernde Beunruhigung jedes christlichen Lebens. Wer sich einmal auf ihn einließ, wer sich einmal von ihm überreden ließ, der kommt nicht mehr los. Zu wem er einmal geredet hat, der kann ihn nicht mehr ganz vergessen, den begleitet er immerfort, im Guten und im Bösen. Den verfolgt er – wie der Schatten den Menschen. Und diese dauernde Nähe Gottes wird dem Menschen zu viel, zu groß, geht ihm über seine Kraft und er denkt wohl manchmal: O, hätte ich es nie mit Gott angefangen. Es ist zu schwer für mich. Es zerstört mir den Frieden meiner Seele und mein Glück. Und wenn er meint, er könne es nicht mehr ertragen, er müsse sich selbst ein Ende machen – dann weiß er doch auch wieder, daß er auch so nicht mehr loskommt von dem Gott, auf den er sich einließ, von dem er sich hat überreden lassen, er bleibt sein Opfer, in seinen Händen. Aber eben hier, wo einer meint, den Weg mit Gott nicht mehr länger gehen zu können, weil er zu schwer ist – und solche Stunden kommen über jeden zu seiner Zeit – wo uns Gott zu stark geworden ist – wo ein Christ unter Gott zusammenbricht und verzagt – da wird uns Gottes Nähe, Gottes Treue, Gottes Stärke zum Trost und zur Hilfe, da erst erkennen wir Gott und den Sinn unseres christlichen Lebens recht."
Dietrich Bonhoeffer

Freitag, 3. April
Aber du, Herr, sei nicht ferne;
meine Stärke, eile, mir zu helfen!
Errette mein Leben vom Schwert,
mein einziges Gut von den Hunden!
Hilf mir aus dem Rachen des Löwen
und vor den Hörnern der wilden Stiere –
du hast mich erhört!
Die Elenden sollen essen, dass sie satt werden;
und die nach dem Herrn fragen, werden ihn preisen;
euer Herz soll ewiglich leben.
Verse aus Psalm 22

"Herr, unser Glaube und unsere Hoffnung ist so schwach. Wir wagen es nicht unser Leben ganz auf deine Verheißung zu setzen. Wir zweifeln an deiner Macht. Herr vergib dem Zweifler und dem Hoffnungslosen und gib uns heute noch deine Verheißung neu. Herr Gott, du lässt die Wasser hoch um uns steigen. Sieh doch auf deine Welt herab. Es ist ja eine furchtbare Qual. Hunger und Durst, keine Heimat, keine Arbeit, Tränen und Verzweiflung. … Ist das die Welt, die du geschaffen hast? Ach, wir müssen furchtbar fern von dir sein, dass deine Geschöpfe so leiden müssen. Wir sind bald am Ende. Wir glauben nichts mehr und wir hoffen nichts mehr. Nun komm du, o Gott, und brich all dies Elend, all den Jammer. … Dass du die Armen und Elenden, Bekümmerten und Leidtragenden in dein Reich geladen hast. Heute noch wollen wir von dieser Verheißung reden. Gott, mach uns wieder froh."
Dietrich Bonhoeffer
 
Donnerstag, 2. April
Denn es haben mich umgeben Leiden ohne Zahl.
Meine Sünden haben mich ereilt; ich kann sie nicht überblicken.
Ihrer sind mehr als Haare auf meinem Haupt,
und mein Mut hat mich verlassen.
Lass dir's gefallen, Herr, mich zu erretten;
eile, Herr, mir zu helfen!
Lass deiner sich freuen und fröhlich sein
alle, die nach dir fragen; und die dein Heil lieben,

lass allewege sagen:
Der Herr sei hochgelobt!
Denn ich bin arm und elend;
der Herr aber sorgt für mich.
Du bist mein Helfer und Erretter;
mein Gott, säume doch nicht!
Verse aus Psalm 40

"Dreieiniger Gott,
mein Schöpfer und mein Heiland,
dir gehört dieser Tag. Meine Zeit steht in deinen Händen.
Heiliger, barmherziger Gott
mein Schöpfer und mein Heiland
mein Richter und mein Erretter
du kennst mich und alle meine Wege und Tun. …
Herr, was dieser Tag auch bringt – dein Name sei gelobt."
Dietrich Bonhoeffer

Mittwoch, 1. April
Gott, höre mein Gebet
und verbirg dich nicht vor meinem Flehen.
Merke auf mich und erhöre mich,
wie ich so ruhelos klage und heule.
Furcht und Zittern ist über mich gekommen,
und Grauen hat mich überfallen.
Ich sprach: O hätte ich Flügel wie Tauben,
dass ich wegflöge und Ruhe fände!
Siehe, so wollte ich in die Ferne fliehen
und in der Wüste bleiben.
Ich wollte eilen, dass ich entrinne
vor dem Sturmwind und Wetter.
Ich aber will zu Gott rufen
und der Herr wird mir helfen.
Verse aus Psalm 55

"Wo einer meint, den Weg mit Gott nicht mehr länger gehen zu können, weil er zu schwer ist, da wird uns Gottes Nähe, Gottes Treue, Gottes Stärke zum Trost und zur Hilfe, da erst erkennen wir Gott und den Sinn unseres christlichen Lebens recht."
Dietrich Bonhoeffer

Dienstag, 31. März
Herr, führe meine Sache gegen meine Widersacher,
bekämpfe, die mich bekämpfen!
Denn ohne Grund haben sie mir ihr Netz gestellt,
ohne Grund mir eine Grube gegraben.
Aber meine Seele soll sich freuen des Herrn
und fröhlich sein über seine Hilfe.
Herr, du hast es gesehen, schweige nicht;
Herr, sei nicht ferne von mir!
Wach auf, werde wach für mein Recht
und meine Sache, mein Gott und Herr!
Und meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit
und dich täglich preisen.
Verse aus Psalm 35

"Stille vor Gott bedarf der Arbeit und der Übung. Sie bedarf des täglichen Mutes, sich Gottes Wort auszusetzen und von ihm richten zu lassen, bedarf der täglichen Frische, sich an Gottes Liebe zu freuen."
Dietrich Bonhoeffer
 
Montag, 30. März
Dennoch bleibe ich stets an dir;
denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,
du leitest mich nach deinem Rat
und nimmst mich am Ende mit Ehren an.
Wenn ich nur dich habe,
so frage ich nichts nach Himmel und Erde.
Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,
so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.
Verse aus Psalm 73

"Ich glaube, wir sollen Gott in unserem Leben und in dem, was er uns an Gutem gibt, so lieben und solches Vertrauen zu ihm fassen, dass wir, wenn die Zeit kommt und da ist – aber wirklich erst dann! – auch mit Liebe, Vertrauen und Freude zu ihm gehen."
Dietrich Bonhoeffer

Sonntag, 29. März
Schaffe mir Recht, Gott,
und errette mich von den falschen und bösen Leuten!
Denn du bist der Gott meiner Stärke:
Warum hast du mich verstoßen?
Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?
Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten
zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist.
Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.
Verse aus Psalm 43

"In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht."
Dietrich Bonhoeffer

Samstag, 28. März
Auf dich, Herr, mein Gott, traue ich!
Mein Schild ist bei Gott,
er, der den frommen Herzen hilft.
Ich danke dem Herrn um seiner Gerechtigkeit willen
und will loben den Namen des Herrn, des Allerhöchsten.
Verse aus Psalm 7

"Auch mit meinen frömmsten Entscheidungen und Wegen kann ich zuschanden werden, niemals aber mit Gottes Gebot. Nicht meine Frömmigkeit, sondern Gott allein bewahrt mich vor Beschämung und Schande."
Dietrich Bonhoeffer

Freitag, 27. März
Lass ab vom Bösen und tue Gutes;
suche Frieden und jage ihm nach!
Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten
und seine Ohren auf ihr Schreien.
Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind,
und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.
Der Gerechte muss viel leiden,
aber aus alledem hilft ihm der Herr.
Verse aus Psalm 34

"Der Gerechte leidet unter der Welt (Psalm 34, 20), der Ungerechte nicht. Der Gerechte leidet unter den Dingen, die für andere selbstverständlich und notwendig sind. Der Gerechte leidet unter der Ungerechtigkeit, unter der Sinnlosigkeit und Verkehrtheit des Weltgeschehens. … Die Welt sagt: das ist nun einmal so, wird immer so sein und muss so sein. Der Gerechte sagt: es sollte nicht so sein, es ist gegen Gott. Daran vor allem wird man den Gerechten erkennen, dass er in dieser Weise leidet. Er bringt gewissermaßen das Sensorium Gottes in die Welt; darum leidet er, so wie Gott unter der Welt leidet. – "Aber der Herr hilft ihm" – nicht in jedem Leiden der Menschen ist Gottes Hilfe. Aber in dem Leiden des Gerechten ist immer Gottes Hilfe, weil er ja mit Gott leidet. Gott ist immer dabei.
Dietrich Bonhoeffer

Donnerstag, 26. März
Lobe den Herrn, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
der dein Leben vom Verderben erlöst,
der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
der deinen Mund fröhlich macht
und du wieder jung wirst wie ein Adler.
Barmherzig und gnädig ist der Herr,
geduldig und von großer Güte.
Verse aus Psalm 103

"Vergessen bedeutet soviel wie aus dem Glauben fallen. In der täglichen Erinnerung an Jesus Christus aber wird mir zugesagt, daß Gott mich von Ewigkeit her geliebt und mich nicht vergessen hat."
Dietrich Bonhoeffer

Mittwoch, 25. März
Ich harrte des Herrn,
und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien.
Er zog mich aus der grausigen Grube,
aus lauter Schmutz und Schlamm,
und stellte meine Füße auf einen Fels, dass ich sicher treten kann;
er hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben,
zu loben unsern Gott.
Das werden viele sehen und sich fürchten und auf den Herrn hoffen.
Wohl dem, der seine Hoffnung setzt auf den Herrn.
Du aber, Herr, wollest deine Barmherzigkeit nicht von mir wenden;
lass deine Güte und Treue allewege mich behüten.
Verse aus Psalm 40

"Gott gibt Zeiten der Sorge und Angst und Gott gibt Zeiten der Freude."
Dietrich Bonhoeffer

Dienstag, 24. März
Gott ist unsre Zuversicht und Stärke,
eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.
Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge
und die Berge mitten ins Meer sänken,
wenngleich das Meer wütete und wallte
und von seinem Ungestüm die Berge einfielen.
Der Herr Zebaoth ist mit uns,
der Gott Jakobs ist unser Schutz.

Verse aus Psalm 46

"Wir dürfen wissen, dass Gott weiß, was wir bedürfen, ehe wir darum bitten. Das gibt unserem Gebet größte Zuversicht und fröhliche Gewissheit."
Dietrich Bonhoeffer

Montag, 23. März
Herr, höre und sei mir gnädig!
Herr, sei mein Helfer!
Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen,
du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen und mich mit Freude gegürtet,
dass ich dir lobsinge und nicht stille werde.
Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.
Verse aus Psalm 30

"Es ist eine überraschende Beobachtung, dass gerade in den Psalmen, die über Bedrückung und Leiden der Gerechten klagen, das Lob der Freundlichkeit Gottes, der es den Seinen wohl ergehen lässt, besonders stark hervorbricht."
Dietrich Bonhoeffer

Sonntag, 22. März
Ich war voller Sehnsucht,
ein einziger Wunsch brannte in meiner Seele:
Ich möchte so gerne beim Herrn sein.
Wie glücklich sind die Menschen,
die einen sicheren Platz bei dir finden.
Ja, Gott, der Herr, ist Sonne und Schild.
Gnade und Würde verleiht uns der Herr.
Wie glücklich sind doch die Menschen,
die sich ganz auf dich verlassen.
Verse aus Psalm 84

"Gott, du hast es mit mir angefangen.
Du hast mir nachgestellt,
hast mich nicht loslassen wollen,
bist mir immer wieder hier oder dort plötzlich in den Weg getreten,
hast mich verlockt und betört,
hast dir mein Herz gefügig und willig gemacht,
hast zu mir geredet von deiner Sehnsucht und ewigen Liebe, von deiner Treue und Stärke;
als ich Kraft suchte, stärktest du mich,
als ich Halt suchte, hieltest du mich, als ich Vergebung suchte, vergabst du mir die Schuld.
Ich hatte nicht gewollt, aber du überwandest meinen Willen, meinen Widerstand, mein Herz.
Gott, du verführtest mich unwiderstehlich, dass ich mich dir hingab.
Herr, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen.
Wie einen Ahnungslosen hast du mich gefasst – und nun kann ich nicht mehr von dir los.
Du bist mir zu stark geworden und hast gewonnen."
Dietrich Bonhoeffer

Samstag, 21. März
Bei dir, Herr, suche ich Zuflucht!
Enttäusche mich nicht, zu keiner Zeit!
Hab ein offenes Ohr für mich!
Sei für mich ein Fels, ein Versteck!
Sei für mich ein befestigtes Haus,
in das ich mich retten kann!
Ja, du bist mein Fels und meine Festung!
Zeige mir den Weg und führe mich!
Denn du bist es, der mich beschützt.
In deine Hand lege ich mein Leben.
Verse aus Psalm 31

"Warum hast du mein vergessen? Jedem Christen kommt einmal diese Frage über die Lippen, wenn alles gegen ihn steht, wenn ihm alle irdische Hoffnung zerbricht, wenn er sich in dem Lauf der großen Weltereignisse gänzlich verloren fühlt, wenn alle Lebensziele scheitern und alles sinnlos scheint. Dann aber kommt es darauf an, an wen er diese Frage richtet. Nicht an ein dunkles Schicksal, sondern an den Gott, der mein Fels ist und bleibt, der ewige Grund, auf dem mein Leben ruht. Ich gerate in Zweifel, Gott bleibt fest wie ein Fels; ich schwanke, Gott steht unerschütterlich; ich werde untreu, Gott bleibt treu."
Dietrich Bonhoeffer

Freitag, 20. März
Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.
Erhöre mich, Herr, denn deine Güte ist tröstlich;
wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit
Ich aber bin elend und voller Schmerzen.
Gott, deine Hilfe schütze mich!
Ich will den Namen Gottes loben mit einem Lied
und will ihn hoch ehren mit Dank.
Die Elenden sehen es und freuen sich.
Die ihr Gott sucht, euer Herz lebe auf!
Verse aus Psalm 69

"Es gibt zwei Möglichkeiten, einem Menschen, der von einer Last gedrückt wird, zu helfen. Entweder man nimmt ihm die ganze Last ab, so daß er künftig nichts mehr zu tragen hat. Oder man hilft ihm tragen, in dem man ihm dies Tragen leichter macht. Jesus will nicht den ersten Weg mit uns gehen."
Dietrich Bonhoeffer

Donnerstag, 19. März
Ich will singen von der Gnade des Herrn ewiglich
und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für;
denn ich sage: Auf ewig steht die Gnade fest;
du gibst deiner Treue sicheren Grund im Himmel.
Wie lange, Herr, willst du dich immerfort verbergen
und deinen Grimm wie Feuer brennen lassen?
Gedenke, wie kurz mein Leben ist,
wie vergänglich du alle Menschen geschaffen hast!
Gelobt sei der Herr ewiglich!
Verse aus Psalm 89

"Der Gedanke, dass es ein Ewiges, Unendliches, gibt, macht der Seele in ihrer Vergänglichkeit Angst. Sie will hinaus über sich selbst, hin zum Unvergänglichen; sie will selbst unvergänglich sein und weiß doch nicht, wie sie’s anfangen soll."
Dietrich Bonhoeffer

Mittwoch, 18. März
Ich bin matt geworden und ganz zerschlagen;
ich schreie vor Unruhe meines Herzens.
Herr, du kennst all mein Begehren,
und mein Seufzen ist dir nicht verborgen.
Mein Herz erbebt, meine Kraft hat mich verlassen,
und das Licht meiner Augen ist dahin.
Ich bin wie taub und höre nicht,
und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht auftut.
Ich muss sein wie einer, der nicht hört
und keine Widerrede in seinem Munde hat.
Aber ich harre, Herr, auf dich;
du, Herr, mein Gott, wirst antworten.
Verlass mich nicht, Herr,
mein Gott, sei nicht ferne von mir!
Eile, mir beizustehen,
Herr, meine Hilfe!
Verse aus Psalm 38

"Herr Gott,
großes Elend ist über mich gekommen.
Meine Sorgen wollen mich erdrücken,
ich weiß nicht ein noch aus.
Gott, sei gnädig und hilf.
Gib Kraft zu tragen, was du schickst.
laß die Furcht nicht über mich herrschen.
Sorge du väterlich für die Meinen,
schütze sie mit deiner starken Hand
vor allem Übel und vor aller Gefahr.
Amen."
Dietrich Bonhoeffer

Dienstag, 17. März
Herr, zeige mir deine Wege
und lehre mich deine Steige!
Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich!
Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich.
Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte,
die von Ewigkeit her gewesen sind.
Die Wege des Herrn sind lauter Güte und Treue
für alle, die seinen Bund und seine Zeugnisse halten.
Verse aus Psalm 25

"Die eigenen Wege führen im Kreise immer zu uns selbst zurück. Aber wenn Gott unsere Wege leitet, dann führen sie zu ihm. Gott leitet uns durch Glück und Unglück – immer nur zu Gott. Daran erkennen wir Gottes Wege."
Dietrich Bonhoeffer

Montag, 16. März
Herr, höre meine Worte,
merke auf mein Seufzen!
Herr, frühe wollest du meine Stimme hören,
frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken.
Lass sich freuen alle, die auf dich trauen;
ewiglich lass sie rühmen, denn du beschirmest sie.
Fröhlich lass sein in dir, die deinen Namen lieben!
Verse aus Psalm 5

"Das Ach unserer Wünsche und das Ach des Gebetes ist zweierlei; jenes kommt aus unserer Not, wie wir sie selbst verstehen, dieses aus unserer Not, wie sie uns Gott zu sehen gelehrt hat; jenes ist anspruchsvoll oder verzweifelt, dieses ist demütig und zuversichtlich."
Dietrich Bonhoeffer